Denkmalpreis als Dankeschön für den verstorbenen Vater


Mit den vielen bedeutenden Ausstattungsstücken aus dem 17. bis 20. Jahrhundert
ist die restaurierte Kirche St.Alban in Kronberg-­Schönberg nach Ansicht von Dr. Gabriel Hefele ein -Juwel". Foto: Frank Röth/FAZ


Interview: Bernhard Perrefort
Max Werner Kahl war auch an der aufwändigen Sanierung der Kirche St. Albau in Kronberg Schönberg beteiligt. Für die Restaurierung des Gotteshauses aus dem 18. Jahrhundert hat die Stadt den Denkmalpreis verliehen.

Frage: Sie engagieren sich nicht nur in Tansania. Auch bei der Sanierung von St. Albau haben Sie sich eingebracht. Erfüllt der Denkmalpreis der Stadt Sie mit Stolz?

Kahl: Natürlich freut sich jeder Architekt, wenn seine Arbeit, sein Engagement von der Öffentlichkeit anerkannt wird. Seit den 1960-er Jahren betreute unsere Familie, mein verstorbener Vater, ehrenamtlich mehrere Kirchen, unter anderem die Kirche Mutter vom Guten Rat in Niederrad, St. Peter und Paul in Kronberg oder St. Albau in Schönberg. Ich denke, dieser Denkmalpreis ist auch ein Stück Dankeschön für meinen verstorbenen Vater Max Kahl, und darüber habe ich mich ganz besonders gefreut.

Ist es für Sie als Architekt schwieriger, eine Kirche zu bauen oder zu restaurieren? Lassen sich diese beiden Projekte in Tansania und in Schönberg überhaupt miteinander vergleichen?

Es sind zwei ganz unterschiedliche Ingenieur-Tätigkeiten für ein und dieselbe Nutzung. Beide Projekte sind Gotteshäuser. In Europa werden kaum noch neue Kirchen geplant. Es gibt vielmehr vorhandene, alte Bausubstanzen, die sensibel und nach vorliegendem Befund unter Berücksichtigung denkmalpflegerischer und kultureller Wertigkeit zu restaurieren sind. Nach einer Restaurierung wie in Schönberg ist es wichtig, zu spüren, dass dieser Ort durchbetet" wurde.

Ein Neubau wie in Tansania gewährt den Architekten/den Planer viel Kreativität: Man denkt zum Beispiel an die afrikanische Bevölkerung und deren Formensprache, an Baumaterialien, an die afrikanische Liturgie, an afrikanische Kunst, an biblischen Darstellungen von Afrikanern für Afrikaner, an das Auffangen von lebensnotwendigem Wasser, an die begrenzte bautechnische Fertigkeit afrikanischer Arbeiter, und daran, wie das ganze Gottes­haus überhaupt zu finanzieren ist.

Worauf wurde bei der Sanierung der Barockkirche besonderer Wert gelegt? Was bedeutete das im Einzelnen?

Die Arbeiten waren weit über die reine Bausicherung hinausgegangen. Wir hatten die Chance, den früheren Zustand der Kirche wieder herzustellen, die sich so nie mehr geboten hätte. Zu den aufwändigsten Arbeiten zählten die Reinigung der Stuckornamente sowie die Wiederherstellung des alten Wandputzes. Die größte Veränderung jedoch war die Verschiebung des kompletten Hochaltars um jene 130 Zentimeter nach hinten, die er in den 1960-er Jahren nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil nach vorne geschoben war. Die jüngste, aus Sicht von Dr. Gabriel Hefele vom Diözesanbauamt Limburg,-überaus gelungene Restaurierung macht die kulturhistorische Bedeutung der Kirche bewusst und lässt sie wieder als Juwel erscheinen, das viel zu wenig bekannt ist". Für die Zukunft kämpfe ich darum, dass die Kirche wieder so in den alten Ortskern integriert wird, dass sie Mittelpunkt von Schönberg wird.

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